“Es klingelt gleich. Und als Hausaufgabe schreibt ihr dann die Erörterung so, wie wir es in dieser Stunde besprochen haben.”

Diesen oder ähnliche Sätze kennen alle Schülerinnen und Schüler aus dem Deutschunterricht, weil alle ihre Lehrerinnen und Lehrer sie mehr oder weniger gern verwenden. Es erscheint ja auch sinnvoll, die große Schreibaufgabe, die man vor der Klassenarbeit mehrmals eingeübt haben muss, in den Nachmittag zu verlegen, weil ihre Bearbeitung in der Regel länger als 45 Minuten dauert und weil doch die Kompetenz der Lehrkraft unbedingt dazu genutzt werden sollte, den Stoff zu vermitteln. So haben wir’s gelernt.

Schon oft bin ich über das u.a. von Christian Spannagel im Hochschulbereich praktizierte Konzept des Flipped Classroom gestolpert und habe mich gefragt, ob man das nicht auch im Deutschunterricht sinnvoll anwenden könnte. Und ich habe die Erfahrung gemacht: Ja, kann man – und das sogar mit großem Gewinn!

Ob Rechtschreibregeln oder Aufsatzformen: Die Deutschbücher vermitteln die Grundlagen in der Regel durchaus systematisch, so dass man diese je nach Altersstufe zu Hause von den Schülerinnen und Schülern erarbeiten lassen könnte, um die Stunde dann für das Einüben zu nutzen. Im Aufsatzunterricht würde das bedeuten, den Aufsatz statt zu Hause in der Stunde zu schreiben, zumindest in der Stunde mit dem Schreiben zu beginnen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Die didaktischen Lernschwierigkeiten, also das, wofür man die Kompetenz der Lehrkraft wirklich braucht, liegen im Deutschunterricht ja selten im theoretischen Aufbau des Aufsatzes, sondern in der praktischen Umsetzung der Vorgaben, eben im Schreiben. Oft ist der Anfang besonders schwer oder es tun sich beim Schreiben Probleme auf, die den Schülerinnen und Schülern in der Vermittlung der Merkmale der Aufsatzform gar nicht bewusst geworden sind. Wie gut, wenn da die Lehrkraft in der Nähe ist, um einem über die individuelle Lernhürde hinwegzuhelfen, oder wenn man die MitschülerIn fragen kann, wie sie mit dem Problem umgeht. Nicht selten ist es Schülerinnen und Schülern in der Schule sogar eher als zu Hause möglich, konzentriert schreibend zu arbeiten, weil im Klassenraum kein Handy oder Fernsehen stören kann. Für andere hingegen, auch das sei gesagt, wirkt die Anwesenheit so vieler anderer Menschen im Raum eher hinderlich für die Konzentration.

Auch wenn es keine Patentlösung für alle gibt und zu absolute Konzepte immer fragwürdig sind:
Die Methode des Flipped Classroom bietet als Alternative im Deutschunterricht immerhin die Möglichkeit für mehr individuelle Förderung und konzentrierte Schreib- und Ruhephasen – vielleicht sogar eine kreative Oase im oft sehr hektischen Schulalltag?!
Welche Erfahrungen habt ihr / haben Sie damit im Deutschunterricht gemacht? Was hat gut funktioniert und wie könnte man diese Idee noch weiter ausbauen? Kommentare oder Pingbacks sind sehr erwünscht!

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