Die Liste für die Reservierung von DVD-Playern und Beamern in der Schule füllt sich in den letzten zwei Schulwochen zusehends. Und wer da noch ein Gerät erwischen möchte, muss sich sputen. Schließlich rufen die Schülerinnen und Schüler uns in den letzten Schultagen vor den Ferien liebend gerne zu: „Gucken wir einen Film? Spielen wir was?“ Und es kostet schon viel Kraft, dagegen zu halten und den vorbereiteten Unterrichtsstoff als absolut gleichwertige Sensation zu verkaufen. Klappt meist nicht. Und auch das Vorlesen von potenzieller Ferienlektüre, man versteht sich schließlich als verantwortungsbewusste Deutschlehrerin, kommt gegen die übermächtige Konkurrenz von Film und Spiel selten an.
Aber: Wie viele letzte Unterrichtsstunden gibt es für die SuS? Selbst die wollen, wenn sie ehrlich sind, nicht zehn Filme gucken oder zehnmal Hangman spielen.

Was also tun? Zeit für einen Vorschlag, wie die letzte Unterrichtsstunde anders gestaltet werden könnte. Eine Überraschung für die SuS und eine Kraftquelle nach den Anstrengungen der letzten Wochen und den manchmal quälenden oder demütigenden Erfahrungen mit den Noten.

Die SuS erhalten je ein DIN-A3-Blatt, auf das sie ihre Stärken, Qualitäten und Besonderheiten aufschreiben sollen. Fragen, die dabei helfen können, schreibe ich dazu an die Tafel:
Was kannst du gut? Was gelingt dir gut?
Welche Talente hast du?
Welche Eigenschaften magst du selbst an dir?
Was unterscheidet dich (positiv) von anderen?
Wofür erhältst du positive Rückmeldung?

Da SuS es in der Schule in der Regel nicht gewohnt sind, sich ihrer Stärken bewusst zu werden, kann das für einige recht schwierig sein. Es braucht vielleicht ein Beispiel, das zeigt, dass auch Kleinigkeiten wichtig sind: „Ich kann einen guten Apfelkuchen backen.“ Relativierungen sollten unbedingt vermieden werden: statt „ein bisschen ordentlich“ besser „ordentlich“, auch wenn’s nicht immer zutrifft. Es ist ja schon im Kern da.

In der ersten Runde sollen die SuS erst einmal für sich selbst nachdenken. Es wäre wichtig, darauf zu achten, damit die SuS trainieren, die Hürde, die das Bewusstmachen und das Formulieren eigener Stärken bedeutet, allein zu überschreiten. Wer als Lehrer/in bislang wenig Erfahrung mit Ermutigung gemacht hat, sollte die Übung vorher unbedingt für sich selbst machen, um die Wirkung und die Hürden selbst zu erfahren.

Danach gibt es eine Phase, in der die SuS sich mit ihren Freunden zusammensetzen. Die Größe der Gruppe sollte max. 3 bis 4 Personen umfassen, um den privaten Charakter der Übung zu sichern. Dann ergänzen die Freunde die Liste der Qualitäten. Wichtig ist hierbei, dass jeder nur auf sein eigenes Blatt schreibt. Wir sind es in der Regel nicht gewohnt, anderen direkt zu sagen, welche spezifischen Qualitäten wir an ihnen schätzen. Das ist es wert, geübt zu werden. Die SuS hören sich an, was ihre Freunde an ihnen schätzen, und schreiben es dann selbst auf ihr eigenes Blatt.

Schwierig wird es, wenn es in der Klasse Schülerinnen und Schüler gibt, die nicht in die Gemeinschaft integriert sind. Solange es zwei sind, die auch miteinander befreundet sind, kann man die Übung problemlos durchführen. Gibt es jedoch jemanden, der gar keine Kontakte in der Klasse hat, würde ich davon abraten, die Übung ohne Vorbereitung durchzuführen. Da braucht es dann eine langfristige und gezielte pädagogische Vorarbeit.

Am Ende der Stunde steht unbedingt die Frage nach der Wirkung der Übung. Wichtig ist hier, nicht nach einzelnen Qualitäten zu fragen. Das empfinden SuS in der großen Gruppe häufig als zu persönlich. „Jetzt habt ihr vor euch eine Liste mit einigen eurer Qualitäten und Stärken. Wie wirkt das auf euch?“ Und an dieser Stelle lohnt sich ein achtsamer Blick in die Gesichter der Schülerinnen und Schüler. Selbst wenn die sich nicht melden und etwas zum Gespräch beitragen mögen, sieht man häufig ein Lächeln auf den Gesichtern.

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