Die Skrupellosigkeit, mit der Pädokriminelle im Internet Kinder und Jugendliche gezielt angreifen, macht nicht nur Eltern und Pädagogen sprachlos. Und es ist offensichtlich, dass es keine einfache Lösung für dieses Problem gibt. Unterschiedliche Forderungen werden formuliert. Für mehr Sicherheit durch Überwachung im Netz plädieren einige, für mehr Medienkompetenz andere. Und immer wieder wird die Frage gestellt: Welche Aufgabe kommt den Schulen in diesem Kontext zu?

Ich glaube: eine sehr wichtige. Schulen können ebenso wenig wie Eltern oder das Gesetz mit absoluter Sicherheit verhindern, dass Kinder und Jugendliche sich kriminellen Angriffen im Netz ausgesetzt sehen können. Das ist allerdings kein Grund dafür, als Schule untätig zu sein. Ganz im Gegenteil: Lernen unter den Bedingungen der Digitalität bedeutet eben auch, sich mit den Gefahren des Internets auseinanderzusetzen, um die SchülerInnen auch im Notfall handlungsfähig zu machen.

Was kann Schule im Speziellen tun?

1. Wenn Schulen aufmerksam die aktuelle Entwicklung verfolgen, können sie diejenigen sein, die SchülerInnen und Eltern den Zugang zu aktuellen und wichtigen Informationen ermöglichen. Das können gute Informationsmaterialien sein oder Experten, die man zu Veranstaltungen einlädt, sowie außerschulische Kooperationspartner, mit denen man langfristig z.B. im Rahmen eines schuleigenen Präventionskonzepts zusammenarbeitet. Wichtig ist, für die Verbindlichkeit der Informationsvermittlung zu sorgen. Schule mit ihrem Bildungsauftrag dient somit als Multiplikator für diese gesellschaftlich relevanten Informationen und Kompetenzen.

2. Gerade die LehrerInnen, die selbstverständlich im Unterricht mit digitalen Medien umgehen, haben eine große Verantwortung und gleichzeitig die große Chance, den SchülerInnen einen kompetenten Umgang damit nicht nur beizubringen, sondern auch vorzuleben. Das kann Fragen der Funktionalität, der Nutzungsintensität, des Datenschutzes oder des Umgangs mit Netzkriminalität betreffen. Was man als LehrerIn vorlebt – und das ist wohl nicht anders als in der Erziehung -, wirkt am stärksten.

3. Und nicht zuletzt kann man als Schule oder LehrerIn auch als Mittler zwischen SchülerInnen und ihren Eltern fungieren, indem man Eltern, die aus einem Ohnmachtsgefühl heraus schnell zum Internetverbot als probatem Mittel greifen, Alternativen aufzeigt und ihnen Mut macht, ihre Kinder lernend zu begleiten. Viele Eltern sind dankbar dafür. Und indem man SchülerInnen, die aus Angst vor einem Internetverbot im Zweifelsfall lange zögern, bevor sie sich an ihre Eltern wenden, erklärt, dass hinter einer möglichen Wut ihrer Eltern Sorge und hinter der Sorge Liebe steht. SchülerInnen verstehen das. Und indem man als Schule zur gesellschaftlichen Enttabuisierung von Themen wie Suchtverhalten oder sexueller Gewalt beiträgt, um der Scham ihre unsägliche Macht zu nehmen.

Wenn Schule daran mitwirken kann, dass Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen mehr, offen und vor allem ohne gegenseitige Schuldzuweisungen über diese Fragen miteinander sprechen, ist das Problem nicht gelöst, aber schon eine Menge getan. Sofort.