Schulen für mehr Sicherheit im Netz

26. März 2013

Die Skrupellosigkeit, mit der Pädokriminelle im Internet Kinder und Jugendliche gezielt angreifen, macht nicht nur Eltern und Pädagogen sprachlos. Und es ist offensichtlich, dass es keine einfache Lösung für dieses Problem gibt. Unterschiedliche Forderungen werden formuliert. Für mehr Sicherheit durch Überwachung im Netz plädieren einige, für mehr Medienkompetenz andere. Und immer wieder wird die Frage gestellt: Welche Aufgabe kommt den Schulen in diesem Kontext zu?

Ich glaube: eine sehr wichtige. Schulen können ebenso wenig wie Eltern oder das Gesetz mit absoluter Sicherheit verhindern, dass Kinder und Jugendliche sich kriminellen Angriffen im Netz ausgesetzt sehen können. Das ist allerdings kein Grund dafür, als Schule untätig zu sein. Ganz im Gegenteil: Lernen unter den Bedingungen der Digitalität bedeutet eben auch, sich mit den Gefahren des Internets auseinanderzusetzen, um die SchülerInnen auch im Notfall handlungsfähig zu machen.

Was kann Schule im Speziellen tun?

1. Wenn Schulen aufmerksam die aktuelle Entwicklung verfolgen, können sie diejenigen sein, die SchülerInnen und Eltern den Zugang zu aktuellen und wichtigen Informationen ermöglichen. Das können gute Informationsmaterialien sein oder Experten, die man zu Veranstaltungen einlädt, sowie außerschulische Kooperationspartner, mit denen man langfristig z.B. im Rahmen eines schuleigenen Präventionskonzepts zusammenarbeitet. Wichtig ist, für die Verbindlichkeit der Informationsvermittlung zu sorgen. Schule mit ihrem Bildungsauftrag dient somit als Multiplikator für diese gesellschaftlich relevanten Informationen und Kompetenzen.

2. Gerade die LehrerInnen, die selbstverständlich im Unterricht mit digitalen Medien umgehen, haben eine große Verantwortung und gleichzeitig die große Chance, den SchülerInnen einen kompetenten Umgang damit nicht nur beizubringen, sondern auch vorzuleben. Das kann Fragen der Funktionalität, der Nutzungsintensität, des Datenschutzes oder des Umgangs mit Netzkriminalität betreffen. Was man als LehrerIn vorlebt – und das ist wohl nicht anders als in der Erziehung -, wirkt am stärksten.

3. Und nicht zuletzt kann man als Schule oder LehrerIn auch als Mittler zwischen SchülerInnen und ihren Eltern fungieren, indem man Eltern, die aus einem Ohnmachtsgefühl heraus schnell zum Internetverbot als probatem Mittel greifen, Alternativen aufzeigt und ihnen Mut macht, ihre Kinder lernend zu begleiten. Viele Eltern sind dankbar dafür. Und indem man SchülerInnen, die aus Angst vor einem Internetverbot im Zweifelsfall lange zögern, bevor sie sich an ihre Eltern wenden, erklärt, dass hinter einer möglichen Wut ihrer Eltern Sorge und hinter der Sorge Liebe steht. SchülerInnen verstehen das. Und indem man als Schule zur gesellschaftlichen Enttabuisierung von Themen wie Suchtverhalten oder sexueller Gewalt beiträgt, um der Scham ihre unsägliche Macht zu nehmen.

Wenn Schule daran mitwirken kann, dass Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen mehr, offen und vor allem ohne gegenseitige Schuldzuweisungen über diese Fragen miteinander sprechen, ist das Problem nicht gelöst, aber schon eine Menge getan. Sofort.

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2 Antworten to “Schulen für mehr Sicherheit im Netz”

  1. O si tacuisses, philosophus mansisses! said

    Nett gemeinte Ideen, aber wie immer so was von Blauäugig, dass es schon wieder weh tut.
    Natürlich wäre es nicht schlecht wenn den Schülern gezeigt wird, wie und wahrscheinlich auch wo man im I-Net sich bewegen sollte, aber das kann nicht von Lehrern erbracht werden.
    Was sind denn Lehrer die mit digitalen Medien arbeiten, aus meiner Erfahrung, glauben die meisten Lehrer an allgemeinbildenden Schulen, dass das Nutzen eines Beamers und das Zeigen von Filmen vom Computer sie schon zu Fachleuten im Bereich der dig. Plattformen macht.
    Als ob es an einer normalen Schule eine handvoll Lehrer gäbe, die in der Lage wären, den Schülern in Sachen Nutzung des I-Nets irgend etwas vorzumachen. 95% aller Lehrer ist im Umgang mit dem I-Net und den Gefahren die es dort gibt den meisten Schülern hoffnungslos unterlegen.
    Ich habe einmal an einer Schule an einem Projekt teilgenommen, bei dem Schüler, die sich gut auskennen anderen Schülern auf die Gefahren im I-Net hingewiesen haben. Das Ganze wurde von den Schülern sehr gut aufgenommen.

    • La said

      Nein, da haben Sie Recht, die LehrerInnen allein werden das Problem nicht lösen. Aber Schule als Institution kann ihren Beitrag dazu leisten, und zwar auf unterschiedliche Art und Weise. Einige Möglichkeiten habe ich dargestellt. SchülerInnenprojekte können ein weiterer sinnvoller Bestandteil des schulischen Beitrags zur Medienkompetenz sein. Diese Erfahrung habe ich auch bei anderen Themen gemacht. Nicht zuletzt können davon ja auch LehrerInnen profitieren. Ich glaube, es erwartet ernsthaft keiner, dass alle LehrerInnen für alle sozialen und gesellschaftlichen Probleme, mit denen wir uns in Schule konfrontiert sehen, ExpertInnen sind. Und trotzdem nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern das zu leisten, was möglich ist, finde ich wichtig. Wenn in einer Schule unterschiedliche Kompetenzen auf viele Lehrkräfte verteilt sind, kann das pädagogische Wirken dadurch insgesamt verstärkt werden.

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