Prüfungssorgen

14. August 2014

„Nutzt du die Sommerferien, um zu lernen?“, lautete eine Frage im 43. EdchatDe. Ja, in diesem Jahr mache ich das gezielt. Ich erlerne privat etwas, dessen Beherrschung ich mit einer Prüfung nachweisen muss. Dafür scheinen die Sommerferien gut geeignet, der Kopf ist frei. So weit, so gut!

Je näher die Prüfung rückt, desto unruhiger werde ich aber: Was, wenn ich die Prüfung nicht bestehe? Zunächst nur ein winziger Gedankenfunke, schnell wieder verschwunden, nistet sich dieses ungute Gefühl nach und nach dauerhaft im Lehrerinnenkopf ein und wird zum unliebsamen Mitbewohner. Endlich ist der Tag der Wahrheit gekommen und am Ende dieses langen Tages ist die Prüfung… bestanden. Aber – und das ist kein Wunder – das Ergebnis ist schlechter ausgefallen als in allen vorangegangen Probeläufen.

Natürlich kennen auch LehrerInnen Versagensängste – vielleicht gerade sie. Nützlich wird es dann, wenn man sich diese Erfahrung bewusst macht und gezielt auf seine pädagogische Tätigkeit bezieht. Als gute LehrerInnen betonen wir gegenüber den SchülerInnen gern, wie wichtig es in Lernprozessen sei, Fehler zu machen, und dass ein Scheitern immer auch neue Wege aufzeige. Sich selbst wieder in einer Prüfungssituation zu befinden, ermöglicht die Erkenntnis, dass das zwar gut gemeinte, aber wenig hilfreiche Worte sind, denn die Angst besiegen sie nicht.

Zur Verdeutlichung: Wenn eine Prüfung im privaten Bereich, also freiwillig, zu etwas, das Spaß macht, zum selbst gewählten Zeitpunkt, ohne dass jeder einzelne Lernschritt bewertet würde, ohne bedeutende Konsequenz im Fall des Nichtbestehens, ohne Vergleichsgruppe – wenn eine solche Prüfung einen Stress erzeugen kann, der sogar zu einem nicht repräsentativ schlechten Ergebnis führt, wie existenziell können dann erst schulische Prüfungssorgen auf SchülerInnen wirken! Das ist theoretisch vielleicht selbstverständlich. Ich glaube aber, dass es uns LehrerInnen gut tut, ab und zu noch einmal ähnliche Erfahrungen zu durchleben.

Wozu? Nun, es fördert grundsätzlich die pädagogische Empathie. Es verdeutlicht uns einmal mehr, dass Prüfungsleistungen als Ausschnitt und Momentaufnahme anzusehen sind und nicht unbedingt die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Prüflings abbilden. Und es befähigt uns als LehrerInnen, wirkliche Hilfestellungen im Prüfungsdruck zu geben, indem wir etwaige Prüfungsängste der SchülerInnen ernst nehmen, indem wir diese Problematik im Unterricht zum Thema machen, indem wir den relativen Stellenwert punktueller Prüfungsleistungen diskutieren und indem wir den SchülerInnen möglichst vielfältige Möglichkeiten und Wege anbieten, sich mit ihrem Können und ihren individuellen Fortschritten zu zeigen (Portfolioarbeit kann z.B. so eine Möglichkeit darstellen).

Damit wir ihnen das ersparen, was uns selbst nicht fremd ist und was wir selbst fürchten – das Gefühl, versagen zu können.

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2 Antworten to “Prüfungssorgen”

  1. LiloB said

    freiwillige Prüfungen? Nun, man kommt nicht um die Erfahrung herum,- schon,- um festzustellen; kannst Du das wirklich oder glaubst Du nur, es zu können?. Dann der Moment/mehr als die Stunde der Wahrheit, man fragt sich; warum habe ich mich darauf nur eingelassen? Ganz sicher nicht, um sein Selbstwertgefühl zu stärken, wer ist schon so selbstbewußt. Aber schon, um sich richtig einschätzen zu können. Und das scheint mir am wichtigsten , nicht nur bei der freiwilligen oder unfreiwilligen Teilnahme an einer Prüfung. Es gibt so viele Prüfungen, an denen wir unfreiwillig teilnehmen, selten erfahren wir das Ergebnis in Noten- aber dadurch, daß wir uns dieser Herausforderung stellen, lernen wir eben auch ein wenig, mit uns gelassener umzugehen. Und auch, unsere Fähigkeiten (hoffentlich) richtig einzuschätzen. Also immer ein Gewinn,- aber; nein, leicht ist das nicht. Darum Gratulation – unabhängig von der Benotung.

  2. @byland said

    Gratuliere zum Bestehen der Prüfung und freue mich über deinen Zugewinn an Empathie prüfungsbezüglich – deiner Empathie, die ohnehin schon gross ist. Es sind wertvolle Momente, wenn man sich wieder „als Schüler/-in“ fühlen muss, mögen sie auch manchmal als peinvoll erlebt werden. Denn sie fördern Einsicht, führen zu Selbst-Entdeckungen. Toll, dass du da durch bist!

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