Die Frage stellt sich tatsächlich angesichts der Zunahme von digitalen Bildungsangeboten. Als LehrerIn glaube ich natürlich an meine Existenzberechtigung unabhängig von der Art des Lernens und kann die auch theoretisch begründen. Authentisch werden diese Argumente aber nur, wenn ich mich in die Rolle der Lernenden begebe. Und so ergeht es mir wieder einmal, seit ich vor kurzem vom EduCamp in Ilmenau zurückgekehrt bin.

Voll mit neuen Ideen und Plänen verbreite ich einige dieser Ziele und Vorhaben in der Community. Und was passiert? Es kommen spontan unterstützende Reaktionen wie diese: „Das, was du ausprobieren möchtest, ist leicht und macht Spaß.“ Das macht sofort Mut. Warum? Weil diese Aussage für mich in etwa so etwas bedeutet: „Du möchtest etwas lernen. Das kommt dir, weil du es noch nicht kannst, schwer vor. Ich habe den Weg schon gemacht und weiß, wo du stehst, und kann dir deshalb sagen, dass du es schaffen kannst.“ Ich vertraue diesem Urteil. Ich vertraue der Erfahrung, die dahinter steht. Und ich erhalte einen motivierenden Ausblick darauf, wie es sein könnte, wenn ich dieses Neue beherrschte. Da will ich hin.

Ein anderes Angebot lautet so: „Und du weißt ja: Wenn du Hilfe brauchst, findest du die hier“. Das ist toll. Einen konkreten Ansprechpartner zu haben, ist hilfreich. Einen, der signalisiert: „Ich nehme mir Zeit für dich und stelle dir meinen Überblick zur Verfügung.“ Natürlich könnte ich mir auch ein Video-Tutorial ansehen. Aber das Tutorial kann mir nur eine vorab ausgewählte Portion an Wissen / Anleitung liefern. Es kann mir nicht die Beratung zuteil werden lassen, die ich benötige, um den geeigneten Weg für mich zu wählen.

Und dann erhalte ich noch folgende Reaktion: „Schau dir mal das hier an. Das könnte dir vielleicht weiterhelfen. Und wenn du Schwierigkeiten bei der Umsetzung hast, dann kannst du mich jederzeit fragen.“ Das ist jemand, der mir Hilfsmittel in Form eines Video-Tutorials bereitstellt und mir gleichzeitig Selbstständigkeit zutraut. Und sich dann als Unterstützung anbietet, wenn ich nicht allein weiterkommen sollte. Eine Sicherheit im Rücken, die dazu führt, dass ich mich immer ein Stückchen weiter wagen kann.

Nicht zu vergessen seien die allgemeinen Rückmeldungen, die einem einfach die eigenen Qualitäten und Fähigkeiten spiegeln. Die mit wohlwollender Aufmerksamkeit das eigene Handeln beobachten und einem sein Potenzial bewusst machen. Und das führt, so beobachte ich es zumindest an mir, nicht zu einem zufriedenen Zurücklehnen, sondern dazu, dass ich große Lust und das nötige Zutrauen verspüre, etwas Neues zu lernen, mich weiter auszuprobieren und meine neu erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen dann vielleicht sogar mit Anderen zu teilen. Und so kann ich auch Fehler, Rückschläge und Phasen der Frustration überstehen, ohne vorschnell aufzugeben.

All diese Reaktionen stammen tatsächlich von LehrerInnen. Und was ist von mir als Lernerin gefragt? Natürlich der Wunsch, etwas zu lernen, mich zu entwickeln, mich explorativ zu verhalten. Das geht am besten, wenn ich nach einem Angebot durch Andere mir mein Lernziel selbst aussuchen, zumindest eigene Schwerpunkte setzen kann. Und die Bereitschaft, um Hilfe und Unterstützung zu bitten, wenn ich mir selbst nicht genügend zutraue oder an meine Grenzen stoße. Und das Bemühen, klar zu formulieren, was ich persönlich in dieser Situation zum gelungenen Lernen benötige.

Zurück zur Ausgangsfrage: Wozu brauchen wir in Zukunft noch LehrerInnen?

Genau dazu.

Advertisements