Newbie statt Greenhorn

29. Oktober 2012

Als Newbie beim EduCamp in Ilmenau (#ecil12) habe ich kurz nach meiner Rückkehr meine ersten Eindrücke in einem Interview mit Lutz Berger geschildert. Was bleibt davon nach ein paar weiteren Tagen?

Zunächst die Erfahrung, dass das Barcamp ein tolles Format ist. Schon die Vorstellungsrunde, die bei einer so großen Gruppe natürlich nicht dem Zweck dienen kann, sich wirklich kennen zu lernen, zeigt, wie diversifiziert der TeilgeberInnenkreis ist und wie vielfältig die Interessen und Motive sind, die alle nach Thüringen geführt haben. Und wie breit gefächert das Programm wird, das die TeilgeberInnen gestalten werden.

Und das ist dann aus meiner Sicht auch die große Stärke dieses Formats: die Erkenntnis, dass wir alle eine große Menge an Qualitäten und Fähigkeiten in uns tragen, die es miteinander zu teilen lohnt. Dass man voneinander lernen kann und möchte. Eine Fortbildung auf Augenhöhe. Dass das tatsächlich so gesehen und praktiziert wird, zeigt die Tatsache, dass auch Sessions mit eher allgemeinen Themen, die gar nichts mit Web 2.0 zu tun haben, wie „Bildungsutopia“ oder „Ermutigung“ auf Interesse stoßen. Und dass man als SessiongeberIn nicht nur seine Erfahrungen mit Anderen teilt, sondern im besten Fall selbst auch eine Menge von ihnen lernt.

Die schönste Erfahrung besteht vielleicht darin, sich zwar als Newbie, nicht aber als Greenhorn gefühlt zu haben. Auch wenn ich viele Begriffe, Techniken und Plattformen nicht kannte, kam nie das Gefühl auf, fehl am Platz zu sein. Und das ist vor allem den TeilgeberInnen zu verdanken. Die Sessions waren von einer wohltuend gleichwertigen Haltung der SessiongeberInnen geprägt, die sich vielleicht am ehesten mit den folgenden Sätzen ausdrücken ließe: „Sieh mal, so mache/sehe ich das. Wie machst/siehst du das?“ Und hier treffen sich dann auch Barcamp-Format und Ermutigung: Die Individualpsychologie nach Alfred Adler geht davon aus, dass ich, wenn ich mich ermutigt fühle, einen Beitrag zum Gelingen von gleichwertiger Gemeinschaft leisten möchte. Nichts Anderes habe ich in den Sessions in Ilmenau erlebt.

Was bleibt? Vor allem viele (selbst gestellte) Aufgaben. Da ist zum einen die Herausforderung, die Anstöße, die man gesetzt und erhalten hat, weiterzuführen und den Austausch darüber praktisch zu organisieren. Und dann natürlich der Mut, die Neuheiten und Techniken, die man noch nicht beherrscht – und in meinem Fall sind das eine Menge – in Angriff zu nehmen und sich zu eigen zu machen. Die Motivation ist da und spontane Hilfsangebote glücklicherweise auch. Und dann die größte Aufgabe: sich selbst als MultiplikatorIn zu verstehen und die aufregenden Dinge, die man gelernt hat, weiterzutragen und Andere im eigenen Umfeld dazu anzuregen, sich ebenfalls mit der Entwicklung einer neuen Lernkultur und den dazugehörigen Kulturtechniken anzufreunden und sich darin auszuprobieren. Ohne missionarisch zu werden.

Sich eben einfach immer ein bisschen weiterzuwagen…

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