Ermutigende Qualitäten

23. Juni 2012

Die großen Ferien stehen vor der Tür. Und trotz der verheißungsvollen Qualität der ersten Ferientage ist auch etwas anderes spürbar: die Akkus sind oft leer. Unser Beruf ist sehr beanspruchend. Und wir brauchen die Ferien dringend, um uns danach wieder so vielseitig einbringen und wirken zu können, wie es erforderlich ist. Aber die so wichtige Entspannung stellt sich eben nicht mit Ferienbeginn auf Knopfdruck ein, sondern muss sanft erarbeitet werden. Indem man achtsam mit sich und anderen umgeht. Denn nicht selten hat unser Umfeld unsere Belastungen der letzten Wochen mitgetragen.

Unterstützend wirken – nicht nur bei diesem Übergangsprozess – die ermutigenden Qualitäten. Der Individualpsychologe Alfred Adler (1870-1937) ging von der folgenden Prämisse aus:
„Der Mensch ist ein soziales Wesen.“ Es gehe ihm besonders gut, wenn er gelingende Beziehungen in den drei Lebensaufgaben Liebe, Arbeit und Gemeinschaft lebe.

Ermutigende Qualitäten fördern das Gelingen von Beziehungen:

  • Interesse für andere
  • Aufmerksam zuhören
  • Begeisterung
  • Geduld
  • Der freundliche Blick
  • Die freundliche Stimme
  • Das Gute erkennen
  • Versuche und Fortschritte anerkennen
  • Selbstverantwortliches Handeln
  • Humor

(Quelle und Lektüreempfehlung: Theo Schoenaker, Mut tut gut. Das Encouraging-Training, Bocholt 2007.)

Am besten sucht man sich eine Qualität aus, die einen spontan anspricht, und versucht sich diese Qualität im Laufe einer Woche etwas bewusster zu machen und mehr anzuwenden. Vielleicht möchte man sich die Qualität auf einen Klebezettel schreiben und auf seinen Spiegel oder ins Auto kleben, damit man sich im Alltag an das Vorhaben erinnert.

Und wenn die Akkus gerade ganz leer sind: Was spricht dagegen, die Qualität zunächst einmal auf sich selbst anzuwenden. Vielleicht tut es in diesen ersten Ferientagen ganz gut, sich selbst und dem, was in seinem Inneren vorgeht, aufmerksam zuzuhören. Oder man probiert einmal aus, wie es ist, wenn man zu sich selbst mit einer freundlichen Stimme spricht. Schließlich sind, wie Studien belegen, 75% der Selbstgespräche negativer Art. Oder man reagiert mit einem leisen, humorvollen Lächeln darauf, wenn einem etwas nicht wie geplant gelingt. Und wenn man merkt, dass einem das gut tut, könnte man in der folgenden Woche von einer anderen Qualität kosten. Meiner Erfahrung nach tragen diese ermutigenden Qualitäten auf ihre besondere Art erheblich zum Aufladen der Akkus und zum Weiten des Blickes bei.

In diesem Sinne: Ermutigende Ferien!