Die größten Herausforderungen in der Pädagogik klingen manchmal ganz einfach.

Salman Ansari weist in seinem taz-Artikel „Bildungsprediger in der Krise“, in dem er sich kritisch mit dem pädagogischen Beziehungsbegriff und dem Spannungsfeld von Nähe und Distanz auseinandersetzt, auf die neben der Reflexionskompetenz wichtigste Anforderung an Pädagogen hin: SchülerInnen ernst zu nehmen.

Dass das richtig ist, kann kaum bezweifelt werden. Aber wie macht man das konkret, mögen sich nicht nur junge LehrerInnen fragen. Wann fühlen sich SchülerInnen ernst genommen? Welches Verhalten von Lehrerseite löst dieses Gefühl aus?

SchülerInnen, die man danach befragt, nennen nach ein wenig Bedenkzeit u.a. folgende Merkmale bzw. Verhaltensweisen:

ein respektvoller Ton
uns ausreden lassen
uns nach unserer Meinung fragen
uns Fragen stellen, hinter denen ein echtes Interesse steht
uns verstehen wollen
unsere Interessen in den Lernprozess einfließen lassen
uns Raum lassen für Positionen, die von denen der LehrerIn abweichen
eigene Fehler zugeben
wenn man über unsere Kritik nachdenkt und ggf. sein Verhalten ändert
bei Konflikten Entgegenkommen zeigen

Und wieder einmal wird deutlich: Den Kernelementen der Pädagogik nähert man sich kaum durch Techniken oder methodische Arrangements. Es beginnt immer mit der Haltung. Grundvoraussetzung dafür, SchülerInnen ernst zu nehmen, ist eine Haltung der Gleichwertigkeit. Die Bereitschaft, trotz des in der Schule bestehenden Machtgefälles zwischen LehrerInnen und SchülerInnen diese als Menschen mit dem gleichen Wert und der gleichen Würde wahrzunehmen – bei Anerkennung der unterschiedlichen Aufgabenverteilung. Und die Erkenntnis, dass man als LehrerIn ebenfalls Lernende ist und von den Beiträgen der SchülerInnen zur Lerngemeinschaft professionell wie persönlich profitiert.

Legt man als LehrerIn dieses Menschenbild, diese Haltung seinem pädagogischen Handeln zugrunde, bedeutet das in der Konsequenz:

Nicht nur Können vermitteln, sondern mit den SchülerInnen lernen.
Nicht nur Kontrolle ausüben, sondern Verantwortung teilen.
Nicht nur Antworten liefern, sondern Fragen stellen.

Salman Ansari erklärt es so:
„Jemanden ernst nehmen bedeutet, dass ich mich darum bemühe, seine Sicht der Welt zu erkennen. Denn nur so kann ich sie verstehen.“

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