Introvertierte Schülerinnen und Schüler beteiligen sich nicht immer sicht- oder hörbar am Unterricht. Nichtsdestotrotz hat man das Gefühl, dass sie aufmerksam zuhören und dem Geschehen in der Klasse konzentriert folgen. Sie schreiben oft gute Klassenarbeiten, weil sie gründlich arbeiten, sich vielleicht differenziert ausdrücken können oder über eine ausgezeichnete Urteilskompetenz verfügen.

Wenn es um die Noten für die Mitarbeit geht, sind diese Schülerinnen und Schüler nicht selten benachteiligt. Was sie durch mich als Lehrerin erfahren: Sie sind nicht richtig so, wie sie sind. Sie müssten lauter sein, sich mehr melden und in Szene setzen. Dann könnte ich auch sehen, was sie beitragen, und ihren Beitrag bewerten.

Diese Schülerinnen und Schüler verfügen über wichtige Qualitäten wie beispielsweise verstehendes Zuhören und analytische Kompetenzen, die ganz wichtig für erfolgreiches Lernen und auch für den Lernprozess der Gruppe sind. Ich muss mich also fragen, wie ich Unterricht so gestalten kann, dass auch diese Schüler/innen eine Chance erhalten, sich mit ihrem Potenzial regelmäßig einzubringen und den Lernprozess sowie das Lernergebnis der gesamten Gruppe zu bereichern.

Erkenntnis: Ich kann im Unterricht mehr Kanäle ansprechen und bereitstellen, sorgfältiger beobachten, welche Qualitäten introvertierte Lerner/innen anzubieten haben, und dann dafür gezielt einen Bedarf im Lernprozess schaffen. Interessant erscheint die Frage, ob das Arbeiten mit den neuen Medien nicht gerade introvertierten Lerner/innen entgegenkommt, weil es genügend Raum für individuelles Arbeiten bietet und Zeit zum Überlegen lässt. Im Sinne der Lerngemeinschaft und der Transparenz der Bewertung der Mitarbeit im Unterricht ist es außerdem wichtig, als Lehrerin deutlich erkennbar werden zu lassen, inwiefern introvertierte Beiträge den Lernprozess fördern und unterstützen.